Atomausstieg mittelfristig ein muss - wo geht´s also lang?

Es gibt derzeit noch 17 aktive Atomkraftwerke in Deutschland mit einer Nennleistung von insgesamt ca. 21.500 MW (Brutto). Die erzeugte Brutto-Stromerzeugung lag bei 134.932.036 MW/h im Jahr 2009. Nachdem im Jahr 2000 die damalige rot-grüne Bundesregierung den Atomausstieg forciert hatte, erwägt die heutige CDU/CSU/FDP Bundesregierung die Restlaufzeiten um bis zu 28 Jahre zu verlängern.

 

Windkraftanlagen sind eine sinnvolle Alternative bzw. Ergänzung zu anderen Formen der Energiegewinnung. Der Restlaufzeiten der Atomkraftwerke wird aber nicht durch den Windkraftstandort Schlangenbad entschieden. Nur effiziente Windkraftstandorte können einen Beitrag zum Atomausstieg und dem Klimaschutz leisten. Die Vorzüge der Windkraft wurden nicht erst gestern entdeckt. Da nunmehr die "sehr guten bis befriedigenden" Standorte besetzt sind, werden nunmehr auch ausreichenden bis schlechten Standorte erschlossen, obgleich weitaus größere potentiale auf See bestehen.

 

Problematisch ist, dass die weitgehend ausgereizte Windkraft an Land den Ausbau auf See ausbremsen könnte. Bis zum Jahre 2030 sollen bis zu 25.000 Megawatt Leistung in den Offshore-Windparks der deutschen Nord- und Ostsee installiert sein (Quelle dena 2009). Das entspricht annähernd der heute an Land installierten Leistung. Nur durch Off-Shore Windparks kann der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung im Zeitraum 2020 bis 2025 von derzeit 15,1 (Quelle: BMU - Kurzinfo Windenergie) auf bis zu 30 Prozent gesteigert werde. In diesem Fall scheint das Ziel des kompletten Atomausstiegs in greifbarer Nähe, weil dann die ca. 21.000 Megawatt Nennleistung der Atomkraftwerke kompensiert werden könnte.

Der Frage des Atomausstiegs ist eine Frage für sich und wird maßgeblich von politischen Entscheidungen auf Bundesebene bestimmt (z.B. Laufzeitverlängerung).  Windräder in Schlangenbad haben nur entfernt, etwas mit dem Thema Atomkraft zu tun.

 

Die Frage der richtigen Energiemischung ist hochkomplex, da Energiegewinnung nicht nur das Klima, Gesundheitsrisiken, u.a. sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit und den Sozialstaat in Deutschland betrifft. Die Restlaufzeitverlängerung ist aus meiner Sicht vor allem ein Kompromiss, um verschiedene bundespolitische Ziele gleichzeitig verfolgen zu können. 

 

Laut der FAZ vom 11. März 2010 verbleibt insbesondere eine Energielücke, wenn man auf Atomstrom komplett verzichten wollte. Dies selbst dann, wenn der Anteil an Energie aus erneuerbaren Quellen bis 2020 einen Anteil von 30% erreichen sollte.

 

Dänemark deckt (begünstigt durch die Küstennähe) derzeit 20% seines Energiebedarfs allein aus Windenergie. Atomenergie spiel in Dänemark keine Rolle. Allerdings ist primärer Energieträger die Steinkohle, was wiederum nicht klimafreundlich ist.