TA-Lärm und gefühle Belästigung

Hören Sie sich bitte zunächst diese Geräuschbeispiele an:

Jeder empfindet Geräusche anders. Es geht daher nicht allein objektiv um einen  physikalischen bzw. gesetzlichen Grenzwert nach der TA-Lärm. Viel wichtiger ist, dass der Lärm subjektiv als störend empfunden werden kann. Es geht also vor allem um die gefühlte Beeinträchtigung. Wie haben Sie das Geräusch empfunden? Möchten Sie diesem Geräusch ganzjährig in unterschiedlicher Stärke ausgesetzt sein?

 

Schall wird für den Einzelnen zu Lärm, wenn er Störungen, Belästigungen, Beeinträchtigungen oder Schäden hervorruft und nicht, wenn ein Wert nach dB(A) erreicht ist. Nur so ist zu erklären, dass z.B. spielende Kinder manchmal als Lärm empfunden werden oder das Ticken einer Uhr in einem stillen Büro.

 

In ruhigen ländlichen Gebieten besteht regelmäßig der Wunsch auf Erhaltung der naturnahen Ruhe. Dieser Wunsch nach Ruhe deckt sich vielfach nicht mit den verwaltungsrechtlich festgesetzten Schutzwürdigkeit des Gebietes und damit den gesetzlichen Schallgrenzwerten. Die Erforschung von Lärmwirkungen hat allgemein gezeigt, dass das Belästigungsempfinden einer Person auf wahrgenommene Geräusche lediglich zu einem Drittel auf physikalisch beschreibbaren Aspekten des akustischen Reizes beruht.

 

Stellen Sie sich vor, Sie wohnen in einer landschaftlich reizvollen Umgebung weit außerhalb städtischer Ballungsräume. Vor allem nachts sind außer den Geräuschen der Natur nahezu keine Geräusche zu hören. Vielleicht sind Sie gerade aus diesem Grund aus einem industriellen Ballungsraum auf das Land gezogen, um dort Ruhe zu finden.

 

Vor diesem Hintergrund werden neun Windenergieanlagen in Ihrem Dorf, nennen wir es Bärstadt, errichtet. Die akustische Planung des Anlagenbetreibers ist auf die Einhaltung des Nachtrichtwertes von z.B. 40 dB(A) (Begriffserklärung nach Bundesumweltamt hier) ausgelegt, da nach geübter Rechtspraxis die Menschen im Allgemeinen Wohngebiet höchstens diesen Schutzanspruch haben. Nach den Erkenntnissen der Schallwirkungsforschung ist aber davon auszugehen, dass nicht (allein) die Lautstärke der Windenergieanlagen die geschilderte Symptomatik ursächlich bewirkt hat. Es spielen daneben sogenannte Moderatoren eine wichtige Rolle: z.B. individuelle Lärmempfindlichkeit, Kontrolle über die Schallquelle, Einstellung zur Quelle, Einschätzung der Vermeidbarkeit des Geräusches, Wohnumgebung).

 

Die TA-Lärm orientiert sich aber nicht am subjektiven Lärmempfinden des einzelnen betroffenen Menschen, sondern geht von einem durchschnittlichen, repräsentativ verständigen Menschen aus.

 

Einen aufschlussreichen Text zu diesem Thema finden Sie auf der Internetseite des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz aus dem Jahr 2002.

Presseberichte zu diesem Thema